Mit der Assa Abloy von Stockholm nach Kiel - ein ganz kurzer Bericht einer ganz kurzen Reise

 

Als ich mit dem Bus an der Station Malmvägen ankomme, sehe ich das Boot schon über dem Wasser schweben. Dort stehen auch Büro und Schuppen der Firma Atlantic Ocean Racing, eines Unternehmens, das Boote, Crews, Weltregatten organisiert. Die Assa Abloy, ein Volvo Ocean 60, hängt an einem Gurt und wird von einem Autokran ins Wasser gelassen.
Skipper Hannes (Schwarz) hat schon eine Woche an Land gearbeitet, es folgen zwei intensive Tage am Schwimmsteg. Umbauten, Reparaturen, vor allem stauen. Unter anderem insgesamt 26 Segel, dabei drei Großsegel, pro Stück über 150 kg schwer. Hineinhieven lassen sie sich nur mit dem Großfall über die zentrale Schotwinsch, die wieder über einen zweihändigen Grinder angetrieben wird - trotzdem nicht leicht! Gestaut werden die Segel am Boden, neben den Kojen - macht alles sehr heimelig!
So arbeiten wir zu viert bis gut 4 Uhr früh.

Endlich ist es dann Donnerstag Vormittag soweit - wir laufen aus! Allerdings sind wir etwas unter Zeitdruck, da mein Flug am Sonntag um 0600 in Hamburg startet.

Wir, die Crew, das sind Skipper Hannes Schwarz, Babak, der zum ersten Mal segelt, Niklas Lundberg, unsere starke Hilfe aus Schweden, und ich (B). Um etwa 1000 Uhr geht's los, zunächst durch die Schären, bei herrlichem Sonnenschein ein einziger Genuß. Das offene Wasser erreichen wir etwa 40 sm später, um 1600 Uhr, bei Sandham, einem malerischen Badeort, durch dessen Hafen wir praktisch durchfahren.
Nun geht es bei wenig Wind unter Motor zum Leuchtfeuer Revenge Grundet. Zunächst eine Wacheinteilung - leider ist Babak krank geworden und kann im Wachdienst nicht mitmachen - drei Wachen zu je einer Person (kein Problem: 60 Fuß - Mast 26 m über Deck - Kiel 3,6 m und 5,5 t - Großsegel ca. 130 qm), und ein exquisiter Autopilot. Passieren kann uns nichts, wir haben ja ein Notruder mit (wir haben es aber nicht ausprobiert). Bei flacher See und leichtem Wind wird nun das Großsegel angeschlagen und gesetzt - alles in allem in 2 1/2 Stunden leicht zu schaffen. Zunächst laufen wir bei Windstärke 2 - 3 etwa 7 kn, zum Teil dazwischen auch mit etwas Motorunterstützung. Dann frischt der Wind auf, wir machen herrliche 9, 10, 11 kn bei Wind drei bis vier. Jetzt heißt es, die Übersicht nicht verlieren!

Mein Lieblingsplatz ist die Navigationskoje, aber leider kann ich mich nur minutenweise dort aufhalten, die Ruderwache ruft (fast immer, wenn man zu dritt ist). So passieren wir Gotland und Öland, ändern dann Kurs Richtung Bornholm. Wir bewegen uns in der Trennzone eines Verkehrstrennungsgebietes, links und rechts die wie auf eine Perlenschnur gereihten Cargo Ships. Wir haben nur einen Kompaß, aber das macht nichts, wir brauchen uns nur exakt zwischen diesen "Perlenschnüren" zu halten. Zwischendurch frischt der Wind auf 17 kn auf, wir fahren über 13 kn. Aber das ist für unser Groß (und ohne Wasserballast) zuviel - wir müssen reffen. Beim ersten Mal dauert das etwas, denn das Öffnen der Segelschlösser (das Großsegel wird hier nicht vom Fall getragen, sondern mit einem Schloß im Top an der Mastnut eingehängt) will gekonnt sein! Aber dann fahren wir wieder, grefft, ebenfalls über 13 kn.
Wir passieren die Nordspitze von Bornholm am frühen Morgen, später überqueren wir das Gedser Rev (Wassertiefe 6 m) und steuern auf die Nordspitze von Fehmarn zu. Leider können wir den optimalen Kurs nicht halten, weil uns plötzlich große Felder mit Windrädern buchstäblich in die Quere kommen!.
Nach ein bißchen kreuzen vor Fehmarn können wir die Einfahrt von Kiel direkt anliegen, aber leider, jetzt geht uns der Wind aus! Unter Motor erreichen wir den Vorhafen von Kiel gegen Mitternacht, geschafft! - nein doch noch nicht, denn wir müssen jetzt noch aus dem Kanister Diesel bunkern! Aber nach diesem kleinen Zwischenspiel legen wir - etwas übermüdet - am Schleusenmolo des Nord-Ostsee-Kanals an. Insgesamt waren es 512 sm, allerdings haben wir gut zweieinhalb Tage dafür gebraucht.

Für mich (und Babak) heißt es jetzt (leider) nichts wie ins Taxi und nach Hamburg - das Flugzeug startet in vier Stunden!
Die Assa Abloy aber, die fährt jetzt durch den Kanal in die Nordsee, durch den Englischen Kanal, durch die Enge von Gibraltar, ....